Scherben bringen Glück

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Kann man beim zweiten Mal schon von Tradition sprechen? Ich sag ja und werde das jetzt einfach so einführen. Also: Wir waren bei Stefan im Museum in Bad Wörishofen, und wie es die Tradition will, hat er mir wieder eine Kamera geschenkt, überreicht mit den Worten: „Mit der Scherbe kannst du das eh vergessen.“ Da ich ein großes Herz habe und mich grundsätzlich über jede neue kleine Kamera freue, ob Scherbe oder nicht – ist sie so schnell in meiner Tasche verschwunden, wie’s nur geht. Nicht, dass sie doch noch bleiben will oder jemand anders sie bekommt!

Zuhause habe ich mir die Kleine genauer angesehen, gleich mal Käthe genannt und mir vorgenommen: Du wirst das schärfste Portrait ever hier in diesem Hause liefern! Das sind ihre Eckdaten: Ein kleines schönes Schild mit „Gustav Kühn, Photo-Spezial-Haus, Augsburg, Schätzlerstr. 8″ hat sie, auf dem Objektiv steht ein verschlungenes AGC und „Singlo“, die Linse ist eine Ica Novar Anastigmat 1:6,8 f=13,5 cm. So richtig habe ich sie nicht finden können, in einem Katalog habe ich dann die Ica Ideal A gesehen, die der Käthe wirklich ähnlich sieht.

In meinem Schrank sind alle Filme, die wir im Laufe der Zeit so zusammengetragen haben, und hier habe ich dann einen ORWO-Film gefunden, Planfilm NP20 mit 6,4 x 9 cm, abgelaufen 04/95, also 30 Jahre jung. Nach vier Versuchen wusste ich: offene Blende ist nichts, auf die Einstellhilfe (2, 3, 7 Meter oder unendlich) kann man sich auch nicht verlassen. Also muss Blende 32 ran, scharfstellen mittels einer Scheibe (in diesem Fall ein zurechtgeschnittenes Transparentpapier, was erstaunlich gut ging) und blitzen, was geht.

6400 Wattsekunden habe ich dann mit ausgezogenem Balgen auf meinen Mann geballert, und er ist danach nicht sehr lange im Kreis gelaufen. Die Entwicklung war eine geschätzte Zeit (10 Minuten mit Rodinal 1+25) – was auch erstaunlich gut geklappt hat. Ich finde, dass sie sich mit dem Ergebnis wirklich sehen lassen kann.

Käthe ist vielleicht nicht mehr die Jüngste, aber mit genügend Wums bekommt sie auch noch ihre Sachen geregelt. Sie darf jetzt also in die Vitrine zu den anderen und kann sich sicher sein: Hier darf sie bei ihren neuen Freunden lange bleiben.

Das Treffen der Sammler findet viermal im Jahr statt, wir sind durch den Club Daguerre dahin gekommen.
Wer den Stefan auch besuchen möchte:
Süddeutsches Fotomuseum
Beethovenweg 1
86825 Bad Wörishofen
Telefon: +8247-34136
https://www.sueddeutsches-fotomuseum.de/

Die zwei Fotos von Stefan sind mit der Rolleiflex aufgenommen, Ilford HP5 @800. Käthe hat insgesamt 5 Fotos in dieser Galerie, wie man an der Schärfe sieht vom ersten bis zum letzten sortier, das Foto von mir hat C.-P. aufgenommen mit Linhof Technika 4×5″ HP5, und die anderen sind mit dem IPhone aufgenommen 🙂

Every Cloud Has a Silver Lining

Can you call it a tradition the second time round? I say yes, and I’m just going to introduce it as such now. So: we were at Stefan’s museum in Bad Wörishofen, and as tradition dictates, he gave me another camera, presenting it with the words: „You can forget about it with this dud.“ Since I’ve got a big heart and am fundamentally delighted by every new little camera, whether it’s a dud or not – it disappeared into my bag as quickly as humanly possible. Just in case it decides to stay put or someone else gets it!

At home I had a proper look at the little thing, promptly named her Käthe, and made a resolution: you’re going to deliver the sharpest portrait ever in this house! Here are her specs: she’s got a lovely little plate reading „Gustav Kühn, Photo-Spezial-Haus, Augsburg, Schätzlerstr. 8“, on the lens there’s an intertwined AGC and „Singlo“, the lens is an Ica Novar Anastigmat 1:6.8 f=13.5cm. I couldn’t really find her anywhere, but in one catalogue I spotted the Ica Ideal A, which really does look rather like Käthe.

In my cupboard are all the films we’ve collected over time, and here I found an ORWO film, sheet film NP20 measuring 6.4 x 9 cm, expired 04/95, so a sprightly 30 years old. After four attempts I knew: wide open aperture is a non-starter, you can’t rely on the focusing aid (2, 3, 7 metres or infinity) either. So it’s got to be f/32, focusing via a screen (in this case a cut-to-size piece of tracing paper, which worked surprisingly well) and flash like mad.

I then blasted 6400 watt-seconds at my husband with the bellows fully extended, and he didn’t walk in circles for very long afterwards. Development was an estimated time (10 minutes with Rodinal 1+25) – which also worked surprisingly well. I think she can really hold her head up with that result.

Käthe may not be the youngest anymore, but with enough oomph she still gets the job done. So now she’s allowed into the display cabinet with the others, and can rest assured: here she can stay with her new friends for a long time.

Januar 14, 2026

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