| Linien im Kopf: Warum ich mir das antue Manchmal braucht es den Kontrast, um die eigenen Konturen zu erkennen. Ich war auf einem Fotowalk. Neun Leute, Thema Farben. Jeder suchte sein zugewiesenes Rot, Blau oder Gelb. Ich suchte mit meiner Schwarzweiß-Kamera Linien. 18 Bilder habe ich in der Zeit gemacht – für mich ein Ritt durch die Hölle der Geschwindigkeit. Die Ergebnisse der anderen waren fantastisch. Zusammengesetzte Puzzle aus Farbtupfern, die als Reel durch Instagram rauschen. Richtig schön. Und doch saß ich da und dachte: Und jetzt? Während die anderen ihre Beute sichteten, war bei mir noch nichts fertig. Ich sehe die Negative erst, wenn ich sie entwickle, trockne, scannen und sichten. Und dann – viel später – halte ich vielleicht etwas in den Händen. Ein Bild auf Papier. Vielleicht eine Opalotypie. In meinem Kopf habe ich die Linien, die ich heute gesammelt habe, bereits zu einem Rahmen zusammengesetzt. Einen Rahmen für Menschen und Portraits, die ich eigentlich suche. Aber bis ich diesen Rahmen mit meinen Händen im Labor gebaut habe, sind die Reels der anderen längst Geschichte. Und niemand wartet auf meine körnige, dunkle Kachel. Die Frage im Raum Warum also das alles? Interessierts jemand? Und da stand sie plötzlich im Raum, diese Frage, die ich sonst erfolgreich verdränge: Ist die analoge Fotografie nicht doch am Aussterben? Rede ich mir das nur schön, weil ich den Geruch von Fixierer liebe und das Gefühl, wenn das Bild langsam im Entwickler erscheint? Es fühlt sich manchmal an, als würde ich einen Umweg gehen, der mich doppelt so viel Zeit kostet und am Ende an einem Ort ankommt, den sonst keiner mehr betreten will. Die andere Seite der Langsamkeit Aber dann habe ich gemerkt: Die Linien, die ich gesucht habe, haben sich in meinem Kopf festgesetzt. Sie fügen sich langsam zu etwas. Während die schnellen Bilder der anderen schon verglüht sind, arbeiten meine Linien noch. Sie sortieren sich. Sie suchen ihren Platz. Vielleicht geht es gar nicht darum, ob das, was ich mache, „überlebt“ oder im Mainstream ankommt. Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Es geht nicht um Konkurrenz mit dem Reel, das schneller ist. Es geht um etwas anderes: um das Greifbare. Um das, was bleibt, wenn der Bildschirm dunkel wird. Um den Prozess, der mich zwingt, langsamer zu werden, genauer zu schauen und meine Entscheidungen zu spüren – nicht nur zu klicken. Die 18 Linien-Bilder, die ich jetzt im Kopf habe, werden ihren Weg gehen. Sie werden irgendwann auf Papier sein. Vielleicht sieht sie dann niemand. Vielleicht interessieren sie nur mich. Aber sie werden da sein. Und sie werden sich anfühlen wie etwas, das ich wirklich gemacht habe – nicht nur schnell durch den Äther geschickt. Und das ist es mir wert. Auch wenn der Weg länger ist. Auch wenn die Gruppe mich nicht versteht. Ich will meine Bilder am Ende in den Händen halten können. Vielleicht ist das Antwort genug. | Game over: Warum ich meine Kamera in die Ecke stelle Ich hab’s versucht. Wirklich. Aber irgendwann ist Schluss. Sonntag zum ersten Mal auf einem gemeinsamen Fotowalk. Neun Leute, alle anderen mit Digitalkameras, Thema Farben. Jeder suchte sein Rot, Blau oder Gelb für die perfekte Instagram-Kachel. Ich suchte mit meiner Analog-Kamera Linien. 18 Bilder in zwei Stunden. Für mich ein Marathon. Die Ergebnisse der anderen waren fantastisch. Bunte Puzzles, die als Reel durch die Timeline rauschen. Alle begeistert. Alle schnell. Alle fertig. Und ich? Ich habe nicht mal ansatzweise ein Ergebnis. Ich muss erst entwickeln. Dann trocknen. Dann scannen. Dann sichten. Dann vielleicht was draus machen. Bis ich ein Bild in den Händen halte, das ich anfassen kann, ist das Thema des Walks längst vergessen. Die Gruppe hat längst das nächste Projekt. Die nächsten Kacheln. Die nächsten Likes. Ich stehe da wie ein Dinosaurier, der nicht merkt, dass die Eiszeit längst vorbei ist. Die Sinnfrage Und jetzt? Ich habe Negative. Mit Linien. Die sich in meinem Kopf zu irgendwas zusammenfügen sollen. Aber wozu? Damit ich in zwei Wochen ein Papierbild in der Hand halte, das kein Mensch sehen will? Damit meine dunkle, körnige Kachel in einem Meer von glatten, perfekten Bildern untergeht? Die Frage steht im Raum. Und diesmal beantworte ich sie mir selbst. Ja, die analoge Fotografie stirbt aus. Und ja, ich reite ein totes Pferd. Aber das Schlimmste ist: Ich merke es endlich. Ich mache es mir unnötig schwer. Ich investiere Stunden in etwas, das am Ende niemanden interessiert. Ich kämpfe für eine Nische, die so eng ist, dass ich kaum noch Luft bekomme. Ich entwickle, trockne, scanne, sichte – und wofür? Für ein Bild, das ich dann in einer Schublade verschwinden lassen kann, weil es keinen Platz in dieser schnellen Welt mehr hat? Der Moment der Entscheidung Ich habe lange gebraucht, um das zuzugeben. Aber es ist okay, etwas zu beenden, das keinen Sinn mehr ergibt. Es ist okay zu sagen: Das war’s. Vielleicht ist das hier mein letzter Beitrag zu diesem Thema. Vielleicht stelle ich die Kamera jetzt wirklich in die Eiche. Vielleicht verkaufe ich das Equipment, solange noch jemand was dafür gibt. Vielleicht suche ich mir ein Hobby, das nicht so verdammt einsam macht und bei dem ich nicht das Gefühl habe, gegen eine Wand zu laufen. Die Linien in meinem Kopf? Die können sich gerne woanders sortieren. Ich habe keine Kraft mehr, sie auf Film zu bannen, nur damit sie am Ende keiner sieht. Game over. Ausbelichtet. Film abgerissen. Vielleicht ist das die einzig ehrliche Entscheidung. |






Bettina
ich war am Mittwoch mit drei Kollegen unterwegs. Ein Smartphone mit spezial Foto App, eine Fuji mit 35 er Festbrennweite, eine Fuji mit Zoom, eine fette Canon (mit massiver Tele Festbrennweite in S\W fotografiert)
Vier Ansätze. Und jeder auf seine Art anders.
Ja wir haben in dem Moment ab und an Bilder gezeigt und uns gegenseitig füreinander gefreut. Aber am Ende des Tages sind die Fotos dennoch nur für uns alleine. Vielleicht wird das eine oder andere Foto irgendwann herumgezeigt oder hängt an einer Wand. Aber ich werde die Fotos der Kollegen vermutlich nie zu Gesicht bekommen. Nicht jetzt, nicht später.
Dennoch… der Blick durch die Kamera, die Freude beim Fotografieren. Das eine oder andere Kunstwerk bleibt. Bleibt im Kopf.
Die gemeinsame Zeit.
Für mich ist es ein Gefühl, eine Stimmung, manchmal die Farben, Lichter, unsichtbares sichtbar machen. Freude. Sich Jahre später an Orte und Stimmungen zurück versetzen können, nur weil man die eigenen Bilder anschaut.
Ich mache das für mich.
Aber ich hatte die Freude verloren am Fotografieren.
Ich habe seit ein paar Wochen eine kleine Fuji. Die ist so leicht, sie lädt zum Spielen ein. Weg mit der Ernsthaftigkeit und dem fetten Rucksack voller Equipment. Ich lasse den spassbefreiten Perfektionisten zuhause. Im Dunklen mit hoher Iso aus der Hand fotografieren. Who cares was die anderen über grainy swooshy Fotos denken. Einfach mal machen.
Analog ist und bleibt ein wunderbarer Bestandteil in unserer Welt. Es ist Kunst. Handwerk. Hingabe. Können. Kreativität. Etwas das bleibt.
Vielleicht war die Gruppe nicht die richtige… ?
Nicole Malek
in mir sind immer wieder diese zwei stimmen… warum tust du dir das an? und dann wieder: achja, deshalb. es war auf jeden fall gut das wir mal wieder aus unserer blase raus sind, und einen walk mit digis gemacht haben. einfach um auch mal wieder die andere welt zu sehen. wir sind inzwischen in so vielen gruppen und mit leuten zusammen, die entweder rein analog sind – wetplate, oder mit film… aber auf jeden fall sehr alte kameras. in dem text sind einfach beide seiten sehr extrem dargestellt – und am ende bleibe ich bei der fotografie wie wir sie machen. 🙂 dafür mag ich einfach zu sehr das gematsche in der dunkelkammer!
die gruppe war super nett – hat auch spass gemacht!