This image lies. It depicts an encounter that never took place.
The woman stood alone before the camera. The men on different days, at different hours. None of them knew of the others. And yet they are now united for ever – fixed in silver on photopaper. I invented a moment. I cast gazes upon a body that were never there. I created a relationship, through a double-exposure collage, that never existed.
This is my power. My decision. Did I betray them?
What this image shows, I shall name plainly: the male gaze upon the female body. Patriarchy as pictorial structure. The look as an act of possession.
And yet – or perhaps because of this – there is an unease.
For the gazes I have used belong to men I know. Men who trust me. Men who would never be as this image implies. I have ascribed to them an attitude they do not hold. I have placed them within a statement to which they never consented.
I critique the male gaze – using the eyes of men upon whom I project it.
That is the real question this image poses: may one employ deception in order to speak about deception? May one use real people to illustrate a truth that is not theirs? For the sake of politically charged art? I don’t know. I did it nonetheless.
And was it not always thus? The camera never showed the whole truth – only a fragment that someone chose. In the darkroom, images were retouched, people removed or added. I am only doing what photographers have done for over 170 years. And with the very same means, no less – I am working with one of the earliest photographic techniques ever devised. What artificial intelligence makes of all this today takes it to an extreme: convincingly real images generated from text – people who never lived, situations that never occurred. But the principle is the same. It always was. Whether AI-generated, manipulated, or entirely untouched – every image shows only a fragment. Every fragment is a choice. Every choice is power.
Could one ever trust an image?
Spectral Collodion – Die Macht dessen, der fügt
Dieses Bild lügt. Es zeigt eine Begegnung, die nie stattfand.
Die Frau stand allein vor der Kamera. Die Männer an anderen Tagen, in anderen Stunden. Keiner wusste vom anderen. Doch jetzt sind sie für immer vereint – fixiert in Silber auf Fotopapier. Ich habe einen Moment erfunden. Ich habe Blicke auf einen Körper fallen lassen, die dort nie waren. Ich habe eine Beziehung durch eine Doppelbelichtung-Collage erschaffen, die es nicht gab.
Das ist meine Macht. Meine Entscheidung. Habe ich sie betrogen?
Was dieses Bild zeigt, nenne ich beim Namen: den männlichen Blick auf den weiblichen Körper. Das Patriarchat als Bildstruktur. Blicke als Besitzgeste.
Und trotzdem – oder genau deshalb – ist da ein Unbehagen.
Denn die Blicke, die ich verwendet habe, gehören Männern, die ich kenne. Die mir vertrauen. Die niemals so wären, wie dieses Bild es impliziert. Ich habe ihnen eine Haltung gegeben, die sie nicht haben. Ich habe sie in eine Aussage gefügt, der sie nie zugestimmt haben.
Ich kritisiere den male gaze – mit den Augen von Menschen, denen ich ihn andichte.
Das ist die eigentliche Frage dieses Bildes: Darf man Täuschung einsetzen, um über Täuschung zu sprechen? Darf man echte Menschen benutzen, um eine Wahrheit zu illustrieren, die nicht ihre ist? Für politisch angehauchte Kunst? Ich weiß es nicht. Ich habe es trotzdem getan.
Und war das nicht schon immer so? Die Kamera zeigte nie die ganze Wahrheit – nur einen Ausschnitt, den jemand gewählt hat. Im Labor wurde retuschiert, wurden Menschen entfernt oder hinzugesetzt. Ich tue nur, was Fotografen seit über 170 Jahren tun. Und sogar mit denselben Mitteln, ich nutze eine der ersten Fototechniken von damals.
Und was KI heute daraus macht, treibt es auf die Spitze: täuschend Echte aus Text generiert – Menschen, die nie lebten, Situationen, die nie stattfanden. Aber das Prinzip ist dasselbe. Es war immer dasselbe. Ob KI-generiert, bearbeitet oder absolut unberührt – jedes Bild zeigt nur einen Ausschnitt. Jeder Ausschnitt ist eine Entscheidung. Jede Entscheidung ist Macht.
Konnte man Bildern jemals vertrauen?







