Gerettet – und Neues

Die Gruppe hat entschieden! Das Bild wird weiterleben, und wir haben – anstatt etwas zu zerstören – etwas Neues geschaffen.

(Die Informationen im Vorfeld sind hier zu finden: http://xara.org/gruppendynamik/ und http://xara.org/schmerzhafter-abschied/ )

Für mich war nicht nur die Veranstaltung an sich sehr interessant, sondern auch die Stimmen im Vorfeld. In vielen Gesprächen konnte ich verschiedene Dinge heraus hören. Einige meinten, dass sie nicht kommen wollen, weil sie es nicht ertragen können wenn etwas mutwillig zerstört wird. Andere meinten, sie haben kein Geld. Enge Freunde haben es mir direkt ins Gesicht gesagt, dass das ein Marketing Gag ist und ich einfach nur verkaufen will. Ich hab mir alles angehört und musste innerlich dann doch immer grinsen.

Denn ich habe immer wieder gesagt: das Bild kann gerettet werden!

Ich habe nie gesagt: du musst es kaufen!

Ehrlich gesagt hatte ich die Hoffnung, dass jemand einfach aufsteht, und mir eine knallt. Oder eine Gruppe  von Freunden mich überfällt, und das Bild entführt. Oder auch an der Veranstaltung selbst: mir einfach jemand den Pinsel aus der Hand nimmt, das Bild unter den Arm klemmt, und abhaut. Oder auch einfach auf mich zukommt, sagt, er liebt das Bild, hat aber kein Geld. Ob man das vielleicht anders regeln kann. Nichts davon ist passiert.

Hier kann sich jeder selbst fragen: wie oft löse ich etwas einfach nur mit Geld, obwohl es eventuell sogar kreative Lösungen gegeben hätte?

So war dann auch mein Plan, dass derjenige, der es unbedingt retten möchte, es geschenkt bekommt. Und wenn sich niemand für das Bild einsetzt, war mein Plan so:

Aus dem ganzen Projekt eine Videoinstallation machen, als eigene Kunstform. CP und Peter standen als Fotografen und mit Videokamera bereit.

Ich wollte meine Hände mit Wasser symbolisch in Unschuld waschen, um dann mit roter Farbe einmal quer drüber.

Soweit mein Plan… Und jetzt ein kurzer Bericht, wie es tatsächlich war.

Wir haben erst mit einem Sekt gestartet, außerdem habe ich zwei neue Bilder gezeigt, die bisher weder in Facebook und Instagram aufgetaucht sind. Und ich habe zudem das erste Mal eine Bildbesprechung gemacht, „die Frau im Wasser“ erklärt, worum es mir ging, das Lied dazu vor gespielt und auch die Gedanken meiner Gäste dazu angehört.

Dann ging es ans Eingemachte, ich habe das New York Bild noch mal besprochen, erklärt woher die Idee kam, in welchen Orten es schon unterwegs war, was erlebt hat. Die Fotografie, nachdem es entstanden ist, in einem Buch und in einer Zeitung gezeigt. Dann Wasser, Farben, Pinsel bereit gelegt und nochmal die Regeln erklärt.

Es gab eine richtige Welle im Raum, alle waren irgendwie unruhig, und bei manchen hat man wirklich auch gespürt, dass es wie eine Wut gegen mich gab, dass ich jetzt so einfach das Bild zerstören will. Jeder hat auch immer wieder die anderen beobachtet, jeder hat gewartet was passiert, und gehofft das auch was passiert.

Wir waren alle aufgeladen und im Raum war es dann sehr warm.

Aber dann – Achim hat es nicht mehr ausgehalten – und sagte: ich rette das Bild. Ich kaufe es.

Da bin ich zu ihm hin, hab ihn geknutscht und gesagt: Danke, ich schenke es Dir. Du hast es gerettet.

Mit dieser Wendung hat dann wohl doch niemand gerechnet, und im Raum war Verwirrung, und auch Ratlosigkeit – wie geht es jetzt weiter?

Wir haben uns dann ausgetauscht – und danach – haben wir alle zusammen ein neues Bild gemalt. Auf einer großen Leinwand konnten sich alle austoben und so konnten wir alle unsere aufgestaute Energie loswerden – die Gruppe hat merklich locker gelassen und wurde wieder fröhlich. Zwei von uns sind mit vollem Körpereinsatz dabei gewesen!

IMG_2798(Handybild)

Gerettet – und Neues.

Was hab ich gelernt? Zum einen habe ich natürlich viel über das Thema Loslassen nachdenken können und konnte auch erleben, wie andere damit umgehen. Und als nächstes war es für mich auch schön, mit vielen Freunden über das Thema zu diskutieren. Mit machen habe ich mich schon im Vorfeld so mit diesem Thema und allem drum rum festgebissen, das wir unmerklich auch alle anderen Bereiche im Leben durchgequatscht haben, und ich behaupte mal – viele von diesen sehr tiefen Gesprächen wären ohne diesen Anlass auch nicht entstanden. CP, Florian und Peter haben mich dabei am meisten begleitet. Aber auch Moni, Regina und Melissa hatten mir einiges zu sagen, das mich beschäftigt hat. Und natürlich Achim, der Retter des Bildes.

Ich bin dankbar, das ich Menschen habe, die zu mir stehen, mich unterstützen und mir aber auch im richtigen Moment mal eine auf den Deckel geben.

Nach der Veranstaltung waren dann viele meiner engen Freunde da und wir haben mit Xbox, Pizza und Wein nochmal geredet, gefeiert und gespielt.

IMG_2817

Auch wenn manche Sachen die ich mache, nicht jeder versteht – ich kann nicht anders. Ich bin Künstlerin und ich muss tun was ich so tun muss. Und ich bin dankbar für alle, die mich auf meinem Weg begleiten.

Hier nun die Fotos… eventuell wird es auch irgendwann ein Video dazu geben 🙂

Fotograf: Peter Schüll

Fotograf: Claus-Peter Malek – http://www.cpmalek.de/

 

Nicole Malek

Februar 23, 2016

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