Krištof Kintera: Nervous Trees

Rudolfinum Prag – die Ausstellung von Krištof Kintera: Nervous Trees und ein Besuch bei Markéta Kinterová

Vor zwei Jahren waren wir schonmal im Rudolfinum und haben uns Hiorns schaumspuckende Robotermaschinen angesehen. Ich war ja da schon hin und weg, das in so alten, ehrwürdigen Gemäuern so ein lustiges Treiben herrscht. Statt Schaum war diesmal Styropor das Dreckschwein der Wahl und die kleinen Kügelchen hab ich heute noch in meinen Klamotten hängen. Was für eine geniale Ausstellung! Was er so in den letzten fünf Jahren an Müll zusammen getragen und verbastelt hat, endete nun als wunderschöne Deponie Installation. Dieses gekonnte, vermutlich drogenpilzunterstützte Upcyclingwerk macht das, was Künstler allgemein gerne machen: Achtung Spoiler! Gesellschaftskritik. Kritik am grenzenlosen Wachstum. Ordnung im Chaos. Chaos als die Unendlichkeit an Möglichkeiten. Ach.

Auch ohne denken funktioniert die Ausstellung super – also für mich. Wie ein kleines Kind hab ich mich an den Elektrostädten gefreut! Kabelbäumchen und kleine Drähtestrassen. Wunderbar! Kunterbunte Faunawelten aus Schrott, Christbaumkugeln, alten Bällen. Diese Pflanzen wirkten so viel lebendiger als der alte, vertrocknete, echte Weihnachtsbaum in der Ecke. Baumaterial nach Farben sortiert auf der einen Seite, im kompletten Chaos auf der anderen. Geschöpfe aus halb präparierten Tieren und Kabeln. KabelFuchs mit Adidashose! Also echt, am liebsten hätt ich mir so ein nervösen Baum mitgenommen. Wie er da stand – und immer wenn ihm die Besucher zu viel wurden, fingen die kleinen Äste an wie verrückt auf den Boden zu klopfen. Ein riesiger Berg gestapelter Waschmaschinen, mache davon liefen und wackelten ganz schön. Hat aber gehalten. Mich begeistert ja grundsätzlich alles, was man nicht zuhause nachmachen sollte.

Hach, aber das Styropor-Zimmer. Ich nehm mal an, im Rudolfinum darf kein Künstler rein, der nicht mindestens eine Schweinerei macht. Vielleicht ist das eine Auflage der Putzfrauen-Gewerkschaft. Gibts in Prag den Mindestlohn? In Heilbronn könnte man ähnliches Vermuten, denn an den Fettberg, der langsam in der Kunsthallte schmelzen durfte, denke ich auch noch oft.

Bilduntertitel, die mir besonders gut gefallen haben (inkl. der original Künstler-Rẹcht·schreib·feh·ler):

  • Flags for better Future (Geschirrtücher)
  • Prayer for loss of Arogance
  • Words of anger unprononnced
  • Yellow Problem

Thema Problem: Ich hätte ohne Probleme noch den halben Tag da verbringen können. Sehr schöne Ausstellung!

Neben der Franka (die Bilder findet ihr hier) hatte ich natürlich auch meine Minox GT-E dabei („Minox – mehr Kamera braucht kein Mensch“). Film war ein Delta 400, entwickelt mit Rüdigers Zauberbrühe Thornton Zweibad.

Nicole Malek

Oktober 1, 2017

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