Waldkapelle ohne Holz, dafür mit Rasseln

Als ich das Silberfischchen im Badezimmer sah, und gedankenverloren zwischen den Fingern zerquetschte, ist mir eingefallen, das ich als Kind die (ähnlich aussehenden) Kellerasseln so wahnsinnig spannend fand. Ich war damals der Meinung, dass sie Keller-Rasseln heißen. Und wie man dann so tickt als Mini-Nicole: ich hab sie draußen unter Steinen gesucht, in Gläsern gesammelt, und in den Keller getragen. Damals, als wir noch in einem Wohnblock mit riesigen Kellern gewohnt haben. Wie ich da so saß, im Keller, mit meinen freigelassenen Keller-Rasseln und gewartet habe, dass sie endlich anfangen… mit… naja… Rasseln… eben… schon da lernte ich: das Leben hält mehr Enttäuschungen bereit als man denkt.

So, oder zumindest ähnlich enttäuscht, waren vermutlich die Gläubigen der kleinen Waldkapelle im Rheinbacher Wald, als ihnen der heilige Holzklotz nach 305 Jahren Anbetung einfach geklaut wurde. Diese kleine Kapelle hat CP entdeckt – mit einem passenden Parkplatz zum Übernachten mit unserem kleinen Miró – Camper. An dieser Stelle wurde 1681 beim Spalten von Holz die heiligen Buchstaben IHS entdeckt. Daraufhin entstand erst eine Kapelle, dann eine große Wallfahrtsstätte plus Klosteranlage und nochmal größerer Kirche, bevor dann doch wieder alles platt gemacht wurde. Übrig blieb die kleine Kapelle – und der Holzklotz. 1986 wurde der dann entwendet. Wir werden es vermutlich nie erfahren, obs um das heilige Symbol ging – oder doch nur ein paar bekiffte Camper wirklich, WIRKLICH trockenes Holz zum Grillen gesucht haben.

Anyway, long Story short: im Jahre 2020 waren auch bekiffte Camper unterwegs, aber mit Kamera. Rolleiflex, HP5+, Rodinal auf Iso800.

Nicole Malek

August 12, 2020
September 11, 2020

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