Der Bialetti Unfall

Wow. Sind es jetzt schon über zwei Monate? Kompletter Tauchgang. Sogar meine Tastatur ist schwerfällig, nachdem ich heute einen Bialetti Espresso drüber gekippt habe. Genauso wie die Leertaste klemmt, sperrt es sich weiterhin in mir, irgendwas von mir nach außen zu tragen. Was an sich komisch ist, da ich lange extrovertiert war. Die Fragen nach Freundschaft, Verbundenheit, Liebe, Verrat, Tod und Unabhängigkeit klemmen sich an mir fest wie alte kleine, verrostete und abgeblätterte Haarklammern, by the way, meine Frisur ist übrigens seit 6 Wochen auch komplett im Eimer, seit meine Haarkünstlerin, denn Frisöse sagt man nicht, sich daran vergangen hat.

Ein Stück Freiheit hat sich durch Miró ergeben. Der kleine verrostete, stinkende und dreckige Mistbock, der seit Dezember bei uns wohnt. Ich habe den T4 California Camper nach Miroslav Tichý genannt, da sein äußeres und inneres Wesen mich stark an den Maler, Zeichner und Fotografen, der kleine Wüstling aus der damals sozialistischen Tschechoslowakei erinnert. Er bleibt weiterhin Fotograf, denn er beherbergt seit ein paar Tagen endlich ein kleines dreckiges Herz: eine Dunkelkammer für Kollodium Nassplatten. Aber immerhin ist er kein Mistbock mehr, denn unser Freund Peter hat ihn mit neuen Batterien, Öl, Zuwendung und guten Zuspruch aufgepäppelt. C.-P. und ich werden also demnächst mit einem Bett plus Dunkelkammer unterwegs sein. Zurückgezogen an einem kleinen See, vergessen von allen (oder alle vergessend?) und urige Bäume fotografieren auf Glasplatten und Tintypes.

Letztes Jahr hat mich der Tod von Willy so aus der Bahn geworfen, obwohl ich es kommen sah. Mein Opa war einer der Männer, die mich am stärksten geprägt haben. Mein Opa, mein Papa, mein Mann, mein Sohn. Liebe, Verbundenheit. Mein Rückgrat, meine Anker.

Übrig bleibt in meiner Aufzählung jetzt nur noch Freundschaft, Verrat und Tod. RIP Jan.

Alles hinter mich lassend, und manche Sachen wieder tief in mir in die kleine Kiste vergrabend wie eine kleine Krabbe, die sich im Sand ihre Burg baut, starte ich in den Frühling und hoffe, dass es weniger Beerdigungen werden. Weniger Aufregung. Dafür mehr Einsamkeit, mehr Kunst.

Anbei die ersten Tintypes aus der Dunkelkammer von Miró. Mit Chemie, die noch vor dem Wasserschaden im Haus übrig war. Auch wenn ich an für sich nicht gerne dieses uralte Zeug verwende, mag ich diesmal die Fotos und das Gefühl was sich darin zeigt. Es war erst ein schöner Tag, aber während des Aufbaus kam ein Sturm auf.

Ich hoffe nun auf die Ruhe nach dem Sturm.

Nicole Malek

Februar 27, 2019

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