Weine leise im Theater, und ein Opfer an die Bienenkönigin

Ein Schauspiel der Sonderklasse, Abo-Donnerstag im Theater. Theater Abonnenten sind ein einzigartiges Volk, und ich beobachte und lerne, damit auch ich mit Siebzig mit lila Haaren und dem kompletten Familiengoldschmuck arthrosegeplagt die Treppe in meinen kleinen Prada-Schläppchen hochächze. Vielleicht werde ich mir einen Stock kaufen, schwarz mit einem goldenen Griff. Die Jugendlichen, die auf der Treppe sitzen, bekommen entweder ein Stockschwung oder ein Diortäschchen-Schlenker ins Genick. Diese Jugend. Geschieht ihnen recht.

Graue Männerschläfen, zucken beim aufeinander pressen des Kiefers. Unterdrückte Wut oder Gähnen? Jener Kiefer in Reihe drei, vor mir, arbeitet fleißig weiter. Die Schläfe zuckt. Die Lesebrille rutscht, kurze Kaupause, Brille schieben, weiterknirschen.

Ich bin eine Welle, trage rot die Unendlichkeit der blauen Lagune durch den Regen. Holz tropft. Amy versucht sich an „Rehab“ und ich möchte weinen. Mein Blick bleibt am Abonnement Reihe drei kleben. Knirschen. Zucken, Pause. Schieben.

Licht an, Pause, Rotwein.

Leicht versöhnt und angetüdelt trabe ich zurück auf meinen Platz, begrüße die Schläfe vor mir mit einem freundlichen bodycheck mit dem Ellenbogen. Dann Amy mit „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“. Ich danke dem Gott der Schläferzucker, das eins meiner Lieblingslieder doch so überraschend schön gesungen wurde.

Der Rest ist traurig. Sehr, sehr traurig.

Erstaunlich, dass ich das Stück so empfand, hat mir doch die überregional bekannte (oder auch nicht), unabhängige (oder auch nicht) und tiefgründig recherchierende (oder auch nicht) Zeitung vor Ort so dermaßen das Stück an mein tiefschwarzes, sarkastische Herz gelegt. Standing Ovation an der Premiere! aha. haha.

Was das Stück im Großen Haus sucht? Ich bin mir nicht sicher. Obwohl, doch. Es sucht nach Tiefe, Witz und Melodie.

Als Bauerntheater im Sportheim, gespielt von Fußballern mit Plastikbusen, Miniröcken und unrasierten Beinen hätte es von mir Applaus gegeben.

Ich undankbares Stück. Aber meine Strafe für böse Gedanken kam postwendend. Ich hatte… ja… in der Tiefgarage geparkt. Sorry, mein Fehler. APCOA, die größte Trantüte der Tiefgaragengesellschaften, hat uns über eine halbe Stunde eingesperrt. Wie brummende Bienen saßen wir vor dem Loch. Startklar, auf den Sonnenaufgang wartend. In meinem Fall war nach der Zeit noch das Ticket abgelaufen und ich musste zu den 7€ noch 1,50€ nachzahlen.

Eine Opfergabe an die Bienenkönigin. Blöde bitch.

Aber Strafe muss sein.

(SEKRETÄRINNEN, Liederabend von Franz Wittenbrink, 18.6.2015, Theater Heilbronn, Großes Haus)

Nicole Malek

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